Eine Betroffene erzählt: 7 Tipps, die im Umgang mit Depressionen helfen

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„Auch wenn es dir schlecht geht, kannst du dich doch wenigstens waschen!“ Nein, meint die junge New Yorker Autorin Rosemary Donahue. Steckt ein Mensch in einer schweren depressiven Phase, geht oft nicht mal das. Donahue kennt die Krankheit aus eigener Erfahrung. Um Freunden und Familie zu helfen, Depressionen zu verstehen, hat sie ihre Erkenntnisse in 7 Punkten zusammengefasst.

Rosemary Donahue hat Depressionen und das ist anstrengend – nicht nur für sie, sondern auch für ihr Umfeld. Die junge Frau nimmt zwar Antidepressiva, trotzdem gibt es in ihrem Leben immer wieder Phasen, in denen es ihr schlecht geht, sie Schwierigkeiten hat, aus dem Bett zu kommen und die Krankheit sie einholt.

Donahue kennt jedoch auch die andere Seite. Das heißt, sie hat selbst Freunde, die wie sie Depressionen haben und weiß daher, wie es sich anfühlt, zusehen zu müssen, wie ein geliebter Mensch leidet und wie weh es tut, ihm nicht helfen zu können. Um das zu ändern, hat Donahue auf der Website der Online-Community für Frauen Hellogiggles.com ein paar Regeln aufgeschrieben, die Betroffenen und Angehörigen helfen sollen, besser mit der Krankheit umzugehen. Einen allgemeingültigen Fahrplan gibt es dafür zwar nicht, dennoch können Donahues Erfahrungen helfen, die Kommunikation zwischen Betroffenen und Angehörigen zu verbessern.

1. Depressive Phasen haben nicht immer einen Grund.

Manchmal gibt es einen ganz bestimmten Grund, warum sich die Depression bemerkbar macht – etwa wenn im Job etwas danebengeht oder die Beziehung kriselt. Mitunter spielen auch die Hormone verrückt oder kann die Einnahme eines Medikaments die Krankheit auslösen. Manchmal – und das ist für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar – gibt es für eine depressive Phase jedoch nicht den einen Auslöser.

Nicht zu wissen, woher die Depression kommt, bedeutet natürlich nicht, dass es sich nicht lohnt, nach dem Auslöser zu suchen – vielleicht auch zusammen mit einem Therapeuten. Allerdings sollten Betroffene und Angehörige in bestimmten Fällen auch akzeptieren, dass es einem einfach schlecht geht, meint Donahue – und zwar grundlos.

2. Nur weil wir gerade nicht imstande sind zu antworten, heißt das nicht, dass ihr aufhören sollt, uns erreichen zu wollen.

Es gibt Momente, in denen schaut ein Mensch mit Depression auf sein Smartphone, sieht eine SMS oder E-Mail, schafft es jedoch nicht zu antworten. Das heißt jedoch nicht, dass sie sich nicht über die Nachricht freut. Vielmehr fehlt ihr die Kraft zurückzuschreiben. Eine SMS zu bekommen und zu wissen, dass da jemand ist, der an sie denkt, tut vielen Betroffenen dennoch gut. Daher Donahues Apell: Hört bitte nicht auf, euch zu melden – auch dann nicht, wenn ihr keine Antwort bekommt.

3. Ist die Depression richtig fies, fallen selbst die kleinsten Dinge schwer.

„Ich weiß, dir geht es schlecht, aber trotzdem kannst du doch mal duschen!“ Nein, sagt Donahue, Menschen mit starken Depressionen schaffen oft nicht mal das – ebenso wenig wie die Zähne zu putzen. Woher das kommt? Die mentale Verfassung überträgt sich gewissermaßen auf den Körper. Das heißt: An den Verstand zu appellieren, bringt nichts – zumindest nicht in diesem Moment.

4. Manche nehmen Medikamente, andere nicht.

Die Entscheidung, ob jemand gegen seine Depression Medikamente nimmt, bleibt den Betroffenen – in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt – selbst überlassen. Tatsächlich sind Antidepressiva keine Allzweckwaffe: Manchen Menschen helfen sie, anderen nicht – und wieder andere wollen vielleicht einfach keine Tabletten nehmen. Sie versuchen, die Krankheit auf andere Weise in den Griff zu kriegen. Angehörige müssen das akzeptieren, so Donahue.

5. Sagt bitte nicht, das ist nur eine „Phase“.

Es wäre schön, wenn die Depression nur eine „Phase“ wäre! Meist ist sie das jedoch nicht der Fall. Solche Sätze dürfen Angehörige sich also gern verkneifen, meint Donahue. Denn auch, wenn sie nett gemeint sind, muntern sie die Betroffenen meist nicht auf. Eher vermitteln sie ihnen das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden und tun daher umso mehr weh.

6. Gute Tage zu haben, bedeutet meist nicht, dass man geheilt ist.

Geht es einem besser, ist das schön und man sollte das genießen. Das heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass die Depression überwunden ist. Bei vielen Menschen, weiß Donahue, verläuft die Krankheit wie bei ihr in Phasen. Aus diesem Grund sollten Angehörige – ebenso wie Betroffene – solche Momente nicht überbewerten. Sonst wiegen die Schuldgefühle doppelt schwer, falls die Depression wiederkommt.

7. Nur weil dem einen Menschen etwas geholfen hat, heißt das nicht, dass es einem anderen auch gut tut.

Sport machen, mit Freunden ausgehen, einen Hund kaufen – in den letzten Jahren hat Donahue eine Menge Ratschläge erhalten. Die Ratschläge waren natürlich gut gemeint, oft stammten sie sogar von anderen Betroffenen. Nichtsdestotrotz: Nur weil es dem einen hilft, sich einen Hund zu kaufen, bedeutet das nicht, dass es anderen ebenfalls hilft. Was Betroffene allerdings wirklich brauchen, sind Menschen, die ihnen sagen, dass sie für sie da sind.

 

Für das IGPmagazin haben wir Rosemary Donahues Artikel leicht gekürzt. Den vollständigen Beitrag gibt es auf hellogiggles.com.