„Das Katzenauge an den Rollator“

© Ihre Gesundheitsprofis MAGAZIN

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In Neumünster wurde im Mai 2016 der erste „Rollator-Erfahrungspark“ Deutschlands eröffnet. Die Initiatorin Cornelia Schlick erzählt uns, weshalb es einen solchen Übungsplatz braucht und wie er bei den Nutzern ankommt. 

Redaktion: Wie kamen Sie auf die Idee, einen Rollator-Trainingsparcours zu bauen?

Cornelia Schlick: Neumünster hat über 70.000 Einwohner. Wie überall laufen auch bei uns viele Senioren mit dem Rollator durch die Stadt. Allerdings kann ein Großteil von ihnen nicht richtig damit umgehen. Im Erfahrungspark können die Menschen das Fahren auf Schotterwegen üben oder ausprobieren, ob sie auch mit steileren Wegen zurechtkommen. 

Übt man das nicht einfach, indem man es probiert?

In der Einkaufspassage vor allen Leuten ist das vielen Senioren unangenehm. Im Rollator-Park haben sie ihre Ruhe und es schaut ihnen niemand beim Training zu. Außerdem bieten wir im Rahmen des Projekts „Komm mit – Mach mit – Nimm den Rollator mit!“, regelmäßig sehr praxisnahe Schulungen an.

Was sind denn die häufigsten Fehler?

Viele gehen stark gebeugt und schieben ihren Rollator wie einen Kinder- oder Einkaufswaagen vor sich her. Das geht total aufs Kreuz. Wichtig ist, dass ich meinen Rollator nicht schiebe, sondern ihn führe. Dazu muss ich den Rollator eng am Körper halten und mich richtig in das Gerät hineinstellen. Laufe ich nun los, tue ich das automatisch aufrecht.

Cornelia Schlick © VOIGES

Cornelia Schlick © VOIGES

Verkehrstauglich muss er sein

Wird das denn nicht beim Kauf im Sanitätsfachgeschäft gezeigt?

Die meisten der Senioren, mit denen wir gesprochen haben, haben tatsächlich nie eine richtige Rollatorschulung bekommen – und etwaige Tipps hatten sie auf dem Weg nach Hause schon vergessen. Um mit dem Rollator richtig umzugehen, braucht es mehr als eine fünfminütige Einweisung.

Nutzen Sie persönlich einen Rollator?

Tatsächlich habe ich mir zu Testzwecken einen gekauft. Als ich damit unterwegs war, wurde mir klar, wie schwierig es ist, damit in den Bus einzusteigen, den Einkauf zu transportieren oder über die Bordsteinkante zu kommen. Viele Kassenmodelle haben ja nicht mal eine ordentliche Ankipphilfe.

Es gibt doch auch sogenannte Leichtgewichtrollatoren?

Aber deren Kosten werden von den Krankenkassen nicht vollständig übernommen. Die 100 Euro Zuzahlung, die bei guten Rollatoren fällig werden, sind für viele eine Stange Geld. Ich rate meinen Kursteilnehmern dann, sich den Rollator von Kindern oder Enkeln zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken zu lassen. Am besten in einer verkehrstauglichen Variante.

Wie bitte?

Manche haben tatsächlich weder Reflektoren noch Katzenaugen. Auch die Ausstattung mit ordentlichen Lichtern ist bei Rollatoren Mangelware. Gerade im Winter, wenn es früh dunkel wird, ist das hochgefährlich. In den Kursen erklären wir daher auch, wie man seinen Rollator richtig nachrüstet.

 

Mit dem Rollator zum Sportunterricht

Wie wird Ihr Übungsplatz denn angenommen?

Hervorragend. Der Lerneffekt ist das eine, die soziale Komponente das andere. Die Senioren kommen hier miteinander in Kontakt – und niemand muss sich für seinen Rollator schämen.

Das ist überraschend. Hat sich der Rollator nicht mittlerweile als Alltagsbegleiter etabliert?

Schon. Trotzdem denken viele: „Oh Gott! Jetzt ist es soweit, jetzt bin ich alt.“ Als Sportpädagogin gebe ich seit über zehn Jahren Bewegungskurse für Senioren. Sobald jemand einen Rollator hat, kommt er nicht mehr in den Unterricht. Manche wollen nicht mit ihrem Rollator durch die Halle fahren und andere wissen gar nicht, dass sich das Gerät wunderbar in den Unterricht integrieren lässt.

Der Rollator als Fitnessgerät?

Ganz genau. Darüber haben meine Kollegen jetzt auch ein Buch geschrieben.