Fuß-Fehlstellungen: Wenig Daten, viele Fehlerquellen

Die Diagnose von Fuß-Fehlstellungen ist nicht immer einfach. Noch komplizierter wird es jedoch bei der Frage der richtigen Behandlung. Ärzte haben unterschiedliche Ansichten; die wenigen Studien sind mitunter widersprüchlich. Wir wollen deshalb in den kommenden Wochen versuchen, mehr Klarheit zu schaffen.

Einen Knick-, Spreiz- oder Senkfuß kennen die meisten zumindest vom Hörensagen, erst recht den Plattfuß. Jede dieser Diagnosen, teils sogar kombiniert, bezeichnet Fehlstellungen des Fußes: Abweichungen von der Norm, die beim Menschen häufig vorkommen und zu mehr oder weniger starken Beschwerden führen können.

Welche Fuß-Fehlstellung tatsächlich behandelt werden muss und auf welche Art, darüber herrscht nicht immer Einigkeit. Bevorzugt der eine Arzt Einlagen, so empfiehlt der andere Fußgymnastik und der nächste ist davon überzeugt, dass man die Füße am besten ganz in Ruhe lässt.

Wie viele Rezepte Orthopäden oder Hausärzte ausstellen und für welche Therapieform, darüber gibt es keine validen Zahlen. Am dünnsten ist die Datenlage bei der physiotherapeutischen Behandlung. Bei Einlagen gehen Experten hingegen davon aus, dass Jahr für Jahr einige Millionen über Sanitätsfachgeschäfte versorgt werden. Eurocom, die Vereinigung der Hersteller von Produkten zur Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel, schätzt, dass bis zu 18 Prozent aller Deutschen Einlagen tragen.

Die richtige Diagnose und die Auswahl der passenden Therapie sind aber nur der erste Schritt. Zu guter Letzt ist da noch der Patient selbst, der die Ratschläge befolgt, seine Übungen macht und die Einlagen entsprechend den Empfehlungen trägt – oder eben nicht.

Erfahrungswerte statt klinischer Prüfung

Besonders schwierig scheint das Thema, wenn man bedenkt, dass es bis heute kaum einen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, ob und wie welche Einlagen wirken. Da verwundert es wenig, dass sich Ärzte und Experten über die richtige Therapie streiten. Bei Arzneimitteln ist das anders. Bevor ein neues Medikament auf den Markt kommt, durchläuft es eine Reihe von klinischen Studien und müssen die Hersteller seine Wirksamkeit belegen. Einlagen sind jedoch keine Arznei-, sondern Hilfsmittel.

Die Aufnahme ins Hilfsmittelverzeichnis des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) sieht kein vergleichbares Zulassungsverfahren vor. Zwar werden die Produkte vom GKV-Spitzenverband auf Qualität, Sicherheit und Nutzen hin geprüft. Der Hersteller muss die Wirksamkeit jedoch nicht mit einer klinischen Studie belegen. Entsprechend basiert die Verschreibung orthopädischer Einlagen wie auch der Rat zur Fußgymnastik wesentlich auf der Erfahrung des Arztes.

Zusammen mit Experten und Ärzten möchten wir Sie in den kommenden Wochen in einer losen Serie über die Fakten informieren. Wie sieht die Studienlage aus? Was ist für wen sinnvoll? Kann regelmäßige Fußgymnastik wirklich den Gang zum Orthopäden ersetzen? Worauf kommt es beim Anpassen der Einlagen an? Worauf müssen Patienten beim Tragen achten?