Lymphknoten

Henry Vandyke Carter - Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body

Henry Vandyke Carter – Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body

Die Lymphknoten gehören zu den wichtigsten Schutzinstrumenten des Körpers. Als Netzwerker sind sie eigentlich immer aktiv, fallen aber selten auf. Schwellen sie jedoch an, ist klar: Unser Immunsystem verausgabt sich gerade im Kampf gegen einen hartnäckigen oder sogar gefährlichen Gegner.

Pilze, Bakterien und andere Mikroorganismen sind überall. Sie lauern auf Türgriffen, am Geldschein oder in der Luft. Einige von ihnen sind potenzielle Krankheitserreger, andere sind für das Funktionieren unseres Körpers unverzichtbar. Um sich vor den Gefährlichen unter ihnen zu schützen, hat der Körper ein ausgefeiltes Immunsystem entwickelt. Den Lymphknoten als Teil des lymphatischen Systems kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu.

Der Begriff Lymphe stammt aus dem Lateinischen: Lympha bedeutet so viel wie „klares Wasser“. In der römischen Mythologie war die Lympha eine Quellgöttin.

Lymphsystem: Wie funktioniert es?

Wie der Name schon sagt, ist das lymphatische System kein einzelnes Organ, sondern ein Netzwerk, das den gesamten Körper durchzieht. Es unterstützt sowohl die Stoffwechselproduktion als auch den Nährstofftransport und steht in enger Beziehung zum Knochenmark, in dem unser Blut gebildet wird. Vor allem aber ist es für die Herstellung und den Transport der Lymphflüssigkeit zuständig. Die Lymphe ist eine spezielle Form der Gewebsflüssigkeit und besteht überwiegend aus Wasser, Eiweißen und Fetten.

Innerhalb des körpereigenen Abwehrsystems ist das lymphatische System auch eine Art Sondermüllentsorger. Es organisiert den möglichst rückstandsfreien Transport von Fremdkörpern und Krankheitserregern hin zur „Aufbereitungsanlage“ – den Lymphknoten, die als Filterstationen dienen.

Lymphsystem

Das lymphatische System besteht aus den Lymphbahnen (Lymphgefäßsystem) und den lymphatischen Organen. Das Lymphgefäßsystem setzt sich zusammen aus einer Reihe dünnwandiger Gefäße und ist hauptsächlich für den Rücktransport der Gewebeflüssigkeit in den zentralen Blutkreislauf verantwortlich – beispielsweise aus den Beinen. Hierfür sammelt es die Lymphflüssigkeit in den verschiedenen Gewebespalten ein, filtert sie mit Hilfe der Lymphknoten und führt sie anschließend wieder in den Blutkreislauf zurück.

Im Gewebe der lymphatischen Organe geht es vor allem um die Bildung der B- und T-Lymphozyten – beides Zellgruppen, die für die Abwehr von Fremdstoffen, insbesondere von Infektionserregern, zuständig sind. Zu den lymphatischen Organen gehören unter anderem die Thymusdrüse, das lymphatische Gewebe im Magen-Darm-Trakt und im Rachen sowie die Lymphknoten.

Lymphknoten: Wo seid ihr und wenn ja wie viele?

Lymphknoten gibt es fast überall in unserem Körper. Sie befinden sich unter anderem im Halsbereich, in der Achselhöhle, hinter den Ohrläppchen oder in der Leiste. Wie viele dieser kleinen bohnenförmigen Gewebsknötchen jeder Mensch insgesamt hat, lässt sich nicht genau sagen – vermutlich sind es jedoch zwischen 500 und 700 Stück.

In der Regel sind die Lymphknoten zwischen fünf und zehn Millimeter groß. In der Leiste und am Hals können sie bis zu zwei Zentimeter messen. Schwellen die Knötchen – ausgelöst durch eine Krankheit oder einen Tumor – an, lassen sich auch die Lymphknoten ertasten, die vorher nicht spürbar waren. Im Fachjargon werden solche Schwellungen Lymphome genannt.

Geschwollen … aber warum?

Lymphknoten dienen als Filterstation für das Gewebewasser einer Körperregion, sie produzieren aber auch Zellen (Lymphozyten), die Krankheitserreger bekämpfen. Mit anderen Worten: Lymphknoten helfen dabei, unliebsame Bakterien und Schadstoffe unschädlich zu machen. Sind sie besonders aktiv, schwellen sie spürbar an. So ist es bei einer Zahnentzündung beispielsweise nicht ungewöhnlich, ein Halslymphom zu entwickeln. Das ist eine natürliche Reaktion, die zeigt, dass das Immunsystem funktioniert.

Sind Lymphome immer harmlos?

In der Regel sind angeschwollene Lymphknoten harmlos – jedoch nicht immer. Werden die Knoten besonders groß oder bilden sie sich nicht zurück, ist Achtsamkeit angebracht. Lässt sich keine direkte Ursache finden, etwa eine harmlose Entzündung, kann es sich um ein bösartiges Lymphom handeln. Im Fachjargon werden solche Schwellungen maligne (lat. malignitas „Bösartigkeit“, „Missgunst“) genannt, umgangssprachlich Tumore.

Eine maligne Schwellung entsteht, wenn körpereigene, aber kranke Zellen sich vermehren und im Lymphgewebe eine Geschwulst bilden. Ob ein Lymphom bösartig ist, muss ein Facharzt feststellen.

Bösartige Schwellungen lassen sich wiederum in hoch– und niedrigmaligne Lymphome unterteilen. Erstere sind schnellwachsend und müssen in der Regel rasch behandelt werden, wohingegen Letztere meist weniger aggressiv sind und langsam wachsen.

Wodurch genau ein bösartiges Lymphom ausgelöst wird, kann nur in den wenigsten Fällen festgestellt werden.

Wie werden bösartige Lymphome behandelt?

Wie maligne Lymphome behandelt werden, hängt davon ab, wie frühzeitig sie entdeckt werden. Im ersten Stadium ist meist nur ein einziger Lymphknoten betroffen, im vierten und letzten sind es so gut wie alle.

In den frühen Stadien kann die Krankheit oft mit einer einfachen Strahlentherapie behandelt werden. Manchmal verläuft das Wachstum auch so langsam, dass über Jahre keine Behandlung notwendig ist und die behandelnden Ärzte das Lymphom nur beobachten. Im fortgeschrittenen Stadium ist häufig eine Chemotherapie erforderlich. Sie dauert in der Regel zwischen vier und sechs Wochen und verspricht gute Heilungschancen.

Egal, an welcher Form eines malignen Lymphoms jemand erkrankt: Wichtig ist – wie bei allen Tumorerkrankungen –, dass die Diagnose möglichst frühzeitig gestellt und die Therapie rasch eingeleitet wird.

Geschwollene Lymphknoten … und jetzt?

Wer am Hals oder an einer anderen Körperstelle ein Lymphom ertastet, sollte nicht in Panik geraten. Häufig ist die Schwellung ein Hinweis auf eine natürliche Schutzreaktion des Körpers. Im Vergleich zu Organtumoren wie Brust-, Darm- oder Lungenkrebs treten maligne Lymphome zudem äußerst selten auf – in Deutschland machen sie beispielsweise gerade mal fünf Prozent der Krebserkrankungen aus. Verdächtig sind schmerzlose und harte Schwellungen. Dauert die Lymphknotenschwellung länger als zwei Wochen an, sollte man in jedem Fall zum Arzt gehen.